Eiapopeia im Prenzelberg

Die letzten Tage der DDR: Zwei Freunde bauen in Schwarzarbeit einen Zaun und wissen nicht, dass die Mauer bröckelt. Heute: Eine Fahrradpanne hält einen Reisenden in einem winzigen Ort, in dem die Zeit stehengeblieben ist. »Eiapopeia im Prenzelberg« erzählt Geschichten aus dem Alltag, vom Altwerden und Kindsein, von inneren und äußeren Grenzen, von Sucht und Abhängigkeit, von Anpassung als Überlebensstrategie und von Menschen, die sich aus Beschränkungen herauskämpfen – oder die Chance dafür verpassen.

Alle Erzählungen haben mittel- oder unmittelbar mit der DDR zu tun. Sei es auch nur, dass ihre Protagonisten dort aufgewachsen sind, ihre Herkunft schwingt immer mit. Die Titelgeschichte beschreibt, wie sich das frühere Ost-Berlin der Nachwendezeit verändert. In »Schenzels Schatten« trifft eine Journalistin ihre Jugendliebe – heute ein bekannter NPD-Funktionär. »Du musst jetzt mal tot sein« erzählt, wie Kinder allein zurückbleiben, deren Eltern zur »Klärung eines Sachverhaltes« bei der Staatssicherheit vernommen werden. In »Prinzessin auf der Erbse« erinnert sich eine alte Frau daran, wie sie als Kind im Krieg verschüttet war. Eine Putzfrau gibt in »Frau Woche« einem Säugling in der Wochenkrippe emotionale Wärme, in »Drei Assipunkte« erfährt die Protagonistin vom Tod ihres Bruders, zu dem sie 20 Jahre lang keinen Kontakt hatte. In »Tom Waits wohnt nicht am Bitterfelder Weg« arbeitet die Heldin im Möbelkombinat am Band und träumt von einem Leben als Künstlerin.

Wie Menschen mit Verlusten umgehen, dieses Thema verbindet die Geschichten: Jemand stirbt, eine Liebe geht verloren, die Heimat, das Vertrauen. Doch die Verlierenden sind keine Verlierer, keine Verlorenen. Sie handeln und es berührt, wie sie Kraft schöpfen. Die Texte fußen auf Beobachtungen, Sympathie und dem eigenen Erleben. Ihre Motive sind hochaktuell. Sie zeigen, was Menschen bewegen können und wie stark kulturelle Identität wirkt.

Eiapopeia im Prenzelberg
Erzählungen von Anke Engelmann
Edition Schwarzdruck, Gransee 2021, BWL 27. 127 Seiten, ISBN 978‐3‐96611‐016‐7, 15 Euro

Bibliophile Ausgabe mit einem Linolschnitt von Roland Berger.

330 Stück, jedes Exemplar ist handschriftlich nummeriert.

Gruppenbild mit Eisbär

Gesammelte Werke aus fast acht Jahren VHS-Schreibgruppe

Kreatives Schreiben ist offen, ist Spiel und Spaß, setzt auf den Prozess, nicht das Ergebnis. Im besten Fall nimmt es den Schreibenden Hemmungen, unterstützt und stärkt und weckt die Freude, etwas zu erschaffen. Zu welchen literarischen Ergebnissen das führen kann, zeigt die vorliegende Textauswahl aus sieben Jahren Kreatives Schreiben an der VHS Arnstadt-Ilmenau. Beim Lesen klingen hin und wieder Themen an, die die gemeinsame Arbeit der Gruppe unterstreichen, mitunter künden Gedichte von spielerischen Schreibaufgaben. Das Gros der Texte geht jedoch darüber hinaus und zeigt ganz unterschiedliche, eigenständige literarische Stimmen ohne Kitsch und Verklärung. Texte, die nicht nur Lesevergnügen bereiten und zum Nachdenken anregen, sondern auch Lust machen, selbst zu schreiben.

Gruppenbild mit Eisbär vereint gesammelte Werke aus fast acht Jahren Passwort Pegasus - der Schreibgruppe der VHS Arnstadt-Ilmenau. Das Buch kostet 10 Euro und kann direkt im Poesiebüro bestellt werden.

regenruf sos

Puh, diese Hitze! Alle lieben die Sonne, vor allem, wenn sie so richtig backofenheiß brennt. Was, Sie auch nicht? Keinen Bock auf Dauerbrand? Extra für Leute wie Sie und ich: "regenruf", das ultimative Bilderbuch für Hitzehasser, RegenwürmerInnen und Leute mit Sommerallergie.

Theo Hellmund [Devi Danu]: Herz im Kopf

Der Band versammelt Gedichte, Raps, Zeichnungen und Fotos von Theo Hellmund, der sich selbst Devi Danu nannte. Dazu eine CD mit 29 Tracks.

Rezension vom Packpapier-Verlag:

"...Kritisch, kreativ und engagiert, mit klarem Blick für politische und zwischenmenschliche Verlogenheiten, hatte Devi Danu alias Theo Hellmund Schwierigkeiten, zwischen 'echten' und 'falschen' Freunden zu unterscheiden, und es fehlte ihm das Vertrauen, seine Musik als selbst- statt drogengemacht zu erkennen. Wenn Musiker älter werden, merken sie irgendwann mit Verwunderung, dass sie auch 'clean' noch immer Musiker und ungebrochen kreativ sind. Es ist furchtbar schade, dass Theo die Zeit für diese Entdeckung fehlte.

Theo ist kein (ohnehin nur ein dummer Euphemismus) 'Frühvollendeter', seine Raps sind nicht perfekt, wollte er auch nicht, eines seiner Lieblingsworte war 'subversiv' und all die 'coolen', weltbekannten Rapper waren für ihn nichts anderes als musikalischer Gangster-Mainstream, die den Ausverkauf des Underground und Lebensgefühls betrieben. Insofern sah er sich als Punk des Rap, auch wenn er Punks ansonsten eher be'battle'te, weil sie für ihn nur die andere Seite des Kapitalismus und eben auch keinen Neuanfang darstellten ..."

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