Schriftstellerin

Blender

»Blender«: Erscheint am 16. Februar 2026 im Verlag Voland & Quist.

ISBN 978-3-86391-454-7
EUR 23,00 (D)

Auch als E-Book erhältlich

„Ein spannender Schelmenroman, der auf faszinierende Weise das wechselhafte Leben des Kunstfälschers Hannes Bohn und zugleich die Geschichte der Zeitenwende von 1989/90 erzählt. Unterhaltsam und fesselnd erzählt, steht der Roman verwandten Legenden wie der des Peter Holtz von Ingo Schulze ebenbürtig zur Seite.“
— Lutz Seiler

Mit „Blender“ legt die Weimarer Autorin Anke Engelmann ihren ersten Roman vor – die traurig-komische Lebensgeschichte des Hannes Bohn, eines Mannes, der durchs Leben stolpert wie durch die Geschichte der DDR: tastend, übermütig, verunsichert – und immer auf der Suche nach einem Ort, an dem er als Künstler endlich ankommen kann. Doch für Hannes ist nichts einfach zu haben. Er scheitert an sich selbst, an den Umständen und an einer Welt, die ihm stets eine Nummer zu klein ist.

Er landet im Gefängnis, rutscht in eine Drogensucht, macht Schulden – und gerät schließlich genau dorthin, wo er nie sein wollte: in die Hände der Stasi. Ausgerechnet seine künstlerische Begabung macht ihn für die Staatssicherheit wertvoll. Man bildet ihn zum Kunstfälscher aus. Als Hannes später heimlich ein Renaissance-Gemälde kopiert, um das Original vor dem Verkauf ins Ausland zu retten, scheitert er nicht an der Malerei – sondern an seiner eigenen Redlichkeit.

Hannes erzählt seine Geschichte selbst. Doch sagt er die Wahrheit? Oder erzählt er nur, was er erzählen muss, um mit sich selbst leben zu können? Anke Engelmann nutzt diese unzuverlässige, charmant aufschneiderische Stimme als Motor des Romans: ein Erzähler, der sich mit kindlichem Eifer, trotzigem Witz und unermüdlicher Selbstrechtfertigung durch die Zumutungen seines Lebens manövriert. So entsteht das psychologisch feine Porträt eines Menschen, der so viele Schichten über sich legt, dass am Ende niemand – auch er selbst nicht – weiß, wer darunter liegt.

Mit Sog-Potential

Christoph Schmitz-Scholemann

Das Buch hat Sog-Potential, es kann süchtig machen, denn es ist durchkomponiert und die einzelnen Geschichten sind es auch. Der Band versammelt 21 Erzählungen der Weimarer Schriftstellerin Anke Engelmann. Ein schönes Buch mit einem von Roland Berger geschaffenen Linolschnitt auf dem Schutzumschlag, gedruckt in 333 nummerierten Exemplaren. Schon äußerlich etwas für wahre Bücherfreunde.

Die Geschichten handeln von Menschen, liebenden und geliebten, alten und jungen, verzweifelten und gelassenen, traurigen und kranken. Jede der auftretenden Personen wird kenntlich durch die spezielle Lebenslage, in der wir sie antreffen, ob im Auto, bei der Arbeit oder beim Tanzen. Da ist eine Frau, der ein Bein amputiert wird und die dann mithilfe eines Pflegers doch den Walzer zurück ins Leben wagt (»Prinzessin auf der Erbse«). Da ist ein Mädchen, das von seinen Eltern zum Sonntagsspaziergang gezwungen wird (»Eins, zwei, drei, vier Eckstein«). Oder die Frau, die im Schlafsaal einer DDR-Wochenkrippe putzt und dabei – entgegen der Anweisung – weinende Kinder tröstet (»Frau Woche«). Die weibliche Perspektive ist vorherrschend, ohne dass man sich als männlicher Leser ausgeschlossen fühlt.

Die Geschichten haben alle einen konkreten zeitlich und räumlich eingegrenzten Ort. Es sind keine Begebenheiten, die sich überall zutragen könnten. Die Außenwelt taucht nicht als Metaphernarrangement auf, es geht sehr konkret zu, es sind realistisch erzählte Geschichten. Das heißt auch: Es ist nicht immer schön da, wo diese Kurzgeschichten spielen. Die Dingwelt ist widerständig: Sei es in Gestalt eines Handys, der Elektrosäge eines Chirurgen, einer Raucherecke oder eines Druckluftnaglers. Die Orte der Handlungen sind auch politisch bestimmt: Wir befinden uns in Ostdeutschland, teils zu DDR-Zeiten, teils danach. Viele der Personen, von denen das Buch erzählt, sind in irgendeiner Weise von den Wirkungen des DDR-Systems gezeichnet. Zum Beispiel zwei Kinder im Jahre 1970, deren Mutter »zur Klärung eines Sachverhalts« abgeholt wird (»Du musst jetzt mal tot sein«). Die Arbeit eines jungen Menschen im Möbelkombinat (»Tom Waits wohnt nicht am Bitterfelder Weg«). In Anke Engelmanns Geschichten – wie in der Wirklichkeit – ist die DDR nach der »Wende« keineswegs verschwunden. Wohl hat sie als Staat aufgehört zu existieren. Aber das, was an ihr prägend war, wirkt weiter. Manchmal im Alltäglichen, wenn um die Weihnachtszeit 30 Jahre altes Lametta in einem Schuhkarton auftaucht (»Schneealarm«). Manchmal auch im Politischen: Da tritt ein ehemaliger NVA-Offizier auf, der in der Jetztzeit in die rechtsradikale Szene gewechselt ist (»Schenzels Schatten«), vielleicht nur als V-Mann?

Anke Engelmann erzählt die Nöte und Freuden, Erlebnisse und Sehnsüchte ihrer Protagonisten »von innen«. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Abdrücken, die das Geschehen im Gefühlsleben der Menschen hinterlässt: Verwirrung, Entsetzen, Schrecken, Schuldgefühle, Zauber, Belustigung, Stolz – also alle möglichen Gefühle, manchmal aber auch nur Sprachlosigkeit: So wenn vom gewaltsamen Tod einer Katze die Rede ist (»Die Katze«) oder von der grässlichen Entdeckung, dass ein naher Mensch offenbar einsam und verzweifelt gestorben ist, und sein verwester Leichnam erst lange Zeit später gefunden wurde (»Drei Assipunkte«).

Es sind beileibe nicht nur die negativ besetzten Gefühlslagen, die in knappen Sätzen, manchmal bis zur Atemlosigkeit verdichtet, zur Sprache kommen. Im Gegenteil: eine Art zugleich abgeklärten, romantischen und doch so liebenswürdig unbeholfenen jugendlichen Übermuts, eine allenfalls leicht melancholisch gefärbte Lebens- und Liebesneugier, gibt den Ton an. Und in »Geschraubt, nicht genagelt« lernen wir ein hochvergnügtes Paar kennen, das sich in der Zeit vor dem Mauerfall auf raffinierte Weise ein ganz schön unterhaltsames Leben zu machen versteht. Margot und Andy berichten in anziehend schnoddrigem Tonfall von ihrer einerseits klandestinen, andererseits ziemlich freien Unternehmerschaft: einer Immobilien-Renovierung für Angehörige der DDR-Oberschicht in Schwarzarbeit.


Kurz: ein abwechslungsreiches und zugleich anspruchsvolles Stück Literatur. Anke Engelmann erweist sich als eine Virtuosin im Genre der Kurzgeschichte. Mit scheinbar leichter Hand und wenigen Worten evoziert sie Bilder und Stimmungen und porträtiert Personen.

Das Wichtigste an diesem Buch ist für mich aber das Vergnügen zu sehen, was gute Literatur kann: Sie öffnet jenen geistig-emotionalen Raum des Menschlichen, den man in keinem Kino und auf keinem Bild der Welt zeigen, den Musik nicht erklingen lassen und Wissenschaft nicht in Zahlen und Begriffen wiedergeben kann, einen Raum, der zwischen Denken und Fühlen liegt, zwischen Bild und Tonfall, zwischen Wort und Ruf und den wir Menschen als einzige Lebewesen bewohnen können – der genuine Raum der Literatur. Anke Engelmann sagt das in der letzten Geschichte ihres Buchs (»Der Bücherfresser«) viel schöner: »Dann öffnet man ein Buch und Worte fallen heraus, beschwören Landschaften, Menschen, Erinnerungen. Das trägt einen wie ein Traum …«

(Rezension im Palmbaum, Literarisches Journal aus Thüringen, Quartus-Verlag Bucha (bei Jena), Heft 1 2022, S. 210-212. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

Eiapopeia im Prenzelberg
Erzählungen von Anke Engelmann
Edition Schwarzdruck, Gransee 2021, BWL 27. 127 Seiten, ISBN 978‐3‐96611‐016‐7, 15 Euro

Bibliophile Ausgabe mit einem Linolschnitt von Roland Berger.
333 Stück, jedes Exemplar ist handschriftlich nummeriert.

Rezension von Ulrike Gramann: TA, TLZ, OTZ am 24. Februar 2022

regenruf sos

Puh, diese Hitze! Alle lieben die Sonne, vor allem, wenn sie so richtig backofenheiß brennt. Was, Sie auch nicht? Keinen Bock auf Dauerbrand? Extra für Leute wie Sie und ich: "regenruf", das ultimative Bilderbuch für Hitzehasser, RegenwürmerInnen und Leute mit Sommerallergie.

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