Die “Herr Professorin”-Kreuzritter

Dass sich engherzige Fanatiker besonders gern auf Demokratie und Meinungsfreiheit berufen, ist weit verbreitet, aber immer wieder verblüffend. Bestimmte Triggerpunkte lassen diese Leute aufschreien. Spiegel Online, der die falsche Verkürzung "Herr Professorin" in die Welt gesetzt hat, hat einen solchen Punkt getroffen, mit einer Meisterschaft, wie sie gewöhnlich nur die Bild-Zeitung beherrscht.

Dass sich engherzige Fanatiker besonders gern auf Demokratie und Meinungsfreiheit berufen, ist weit verbreitet, aber immer wieder verblüffend. Bestimmte Triggerpunkte lassen bestimmte Leute aufschreien. Spiegel Online, der die falsche Verkürzung "Herr Professorin" in die Welt gesetzt hat, hat einen solchen Punkt getroffen, mit einer Meisterschaft, wie sie gewöhnlich nur die Bild-Zeitung beherrscht. Ich jedenfalls hab sie satt, die „Herr Professorin“-Diskussionen, die Aufreger über die sprachlichen Regelungen an der Universität Leipzig sowie in Potsdam. Dieser Geifer! Diese Wut! Eine sprachliche Diktatur, die man nur mit der Stasi vergleichen könne, ein „Sind wir jetzt schon wieder so weit, ja?!“, gefolgt von einem „Das muss man ja noch sagen dürfen! Immerhin haben wir Meinungsfreiheit!“ Meinem Gesprächspartner von letzter Woche möchte ich hiermit folgende Klarstellung ans Herz legen: Die „Verweiblichung“ der Anredeformen betrifft ein einziges Dokument: die Grundordnung der Universität. Im Alltag der Studierenden wird sich nichts verändern, so eine Erklärung der Uni. Es bleibt also bei "Herr Professor" und "Frau Professorin". Die Gefahr, dass eine Magisterarbeit (die jetzt übrigens Master-Arbeit heißt) wegen einer falschen Anrede abgelehnt wird, besteht also definitiv nicht. Trotzdem: Gut, dass wir drüber geredet haben! Zum Nachlesen: Bildblog Nachtrag: Ein Interview mit der Linguistin Luise Pusch

veröffentlicht von Anke Engelmann am 30.07.2013

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