Mein Sauerteig-Gleichnis

Literarisches Schreiben ist wie Sauerteig ziehen und Brot backen: Das geht nicht mit Wasser oder Spucke. Man braucht Handfestes, Mehl, Salz und andere Zutaten, braucht Zeit und ein Ofen sollte auch bereitstehen. Nur mit Phantasie kann man keine Geschichten schreiben

Literarisches Schreiben ist wie Sauerteig ziehen und Brot backen: Das geht nicht mit Wasser oder Spucke. Man braucht Handfestes, Mehl, Salz und andere Zutaten, braucht Zeit und ein Ofen sollte auch bereitstehen. Nur mit Phantasie kann man keine Geschichten schreiben – Material ist nötig, Personen, Situationen oder Eindrücke, die man aufeinander wirken und miteinander reagieren lässt. Gewürzt mit dem, was dem/der Autorin eigen ist, gärt die Masse wie Sauerteig, wirft Blasen, geht auf. Sie wird gefüttert und gewärmt, so dass die Bestandteile ineinander verschmelzen, nicht mehr zu trennen sind und etwas völlig Neues entsteht. Bevor er gebacken werden kann, muss der Teig gewalkt und geknetet werden. Er muss ruhen und reifen. Immer wieder. Arbeit und Muße. Walken und Reifen. Nur ein gereifter Teig wird im Ofen ein gutes Brot. Und die Phantasie? Pah! Nur eine von vielen Zutaten! Anmerkung: Sauerteig, sein Reifen und seine Verarbeitung – dieses Bild haben viele Autoren im Mittelalter und der Renaissance als Gleichnis angeführt. Ich selbst habe einmal eine entsprechende Textstelle des Arztes und Alchimisten Theophrastus Bombastus von Hohenheim, auch Paracelsus genannt, ins moderne Deutsch übertragen.

veröffentlicht von Anke Engelmann am 19.02.2014

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