Von »Ende« bis Buchladen VII: Raus!

Endlich ist er da, der »Blender«. Einen schweren Karton hat mir der freundliche Postmann kürzlich in die Hand gedrückt. Nur noch wenige Tage, und der »Blender« kommt in die Buchläden. Und dann?

Ich dachte immer, ein Buch zu schreiben, das ist Arbeit. Als ich noch mitten im Stoff steckte, sehnte ich den Moment herbei, an dem ich den letzten Punkt setzen würde. Ich würde mich zurücklehnen, aufatmen, und auf magische Weise wäre der Roman in der Welt und am richtigen Platz. Mein privates Märchen hätte sich vollendet, sanft würde alles in einen immerwährenden Zustand von »Und sie lebten glücklich und zufrieden« plätschern. Wie naiv ich war!

Denn was ist ein Buch ohne Leser? Es vergammelt als Kompetenztapete im Buchladen; nur Freaks stöbern mit verdrehtem Kopf die unzähligen Buchrücken im Regal durch. Die Regel ist einfach: Ein Buch muss gefunden werden. Das Cover vom »Blender« leuchtet – das ist schon mal ein großes Plus. Doch auf dem Buchmarkt darf man nichts dem Zufall überlassen: Auch Menschen mit einer Farbschwäche und die, die nicht in Buchhandlungen nach Lesestoff suchen, sollen über den »Blender« stolpern: »Haben Sie den ›Blender‹? Von Anke Engelke?«

Dazu müssen sie in der Presse etwas gelesen oder gehört haben, einen Fernsehbeitrag gesehen oder eine Lesung besucht haben. Oder jemand hat ihnen einen Geheimtipp gegeben. Unzählige Ankündigungen an Presse und Veranstalter hat Theresa von Voland & Quist verschickt. Unermüdlich bestückt Max die Social-Media-Kanäle. Und ein paar Strippen habe ich auch gezogen. Von meinem »Blender«-Quiz abgesehen, ist die Resonanz überwältigend. So überwältigend, dass ich dringend an meinem Tiefstapler-Syndrom arbeiten muss.

Mein erster Pressetermin lief easy. Mit dem MDR war ich im Herzoglichen Museum in Gotha und stolzierte mit Museumsbesucherinnen-Blick an der Kamera vorbei. Sinnend betrachtete ich das »Gothaer Liebespaar«, denn das Renaissancegemälde spielt im Buch eine zentrale Rolle. Ich erfuhr, dass die Journalistin Romy Gehrke ein ganz besonderes Verhältnis ausgerechnet zu diesem Bild hat. Was für eine Geschichte! Kann man sich nicht ausdenken! Muss man gesehen haben (am 17. Februar ab 19 Uhr).

Beim Interview musste ich mich ganz auf Hannes Bohn konzentrieren und alles andere vergessen: die Angst, etwas Falsches zu sagen. Alle Versuche, gut auszusehen. Anfangs bemühte ich mich, den Kopf leicht vorzustrecken, um den Hals zu straffen. Außerdem hatte ich mir vorher extra die Haare schneiden lassen, ein Akt der Überwindung bei meinem Haarlack & Omalöckchen-Trauma. Diesmal aber habe ich eine wirkliche Profi-Friseurin gefunden. Kontaktdaten gebe ich gern auf Anfrage weiter.

Welche Journalisten das Buch für eine Rezension angefordert haben, verrate ich nicht. Auch nicht, wie viele. Ob der »Blender« ihnen gefällt, wird sich zeigen. Noch bin ich gelassen: Hauptsache Presse, auch wenns ein Verriss ist. Wichtige Termine für Lesungen stehen bereits fest: Erfurt (1. März im Kultur: Haus Dacheröden, mit Helge Pfannenschmidt), Kunstburg Ranis (6. März vom Lesezeichen e. V.), Weimar (12. März in der LiteraturEtage mit Christoph Schmitz-Scholemann), am 6. Mai in Berlin (Brotfabrik), Arnstadt, Brüssel, Sonneberg (Thüringer Kulturstiftung). Und, brandheiß, der Ritterschlag: Am 13. April bin ich eingeladen ins Literaturforum im Brecht Haus Berlin. Moderiert von Knut Elstermann. Knut! Elstermann! Im Brecht Haus! Kann mich bitte jemand wachrütteln?

Nein. Lieber nicht.


Achtung: Am 17. Februar ist der »Blender« im MDR Thüringen Journal. Beginn der Sendung: 19 Uhr

Freischaltung: 10.02.2026, 14:54 / Anke Engelmann

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