Poesieblog

  • Seine Muttersprache beherrscht doch jeder!

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 05.02.2011 in Gutes Deutsch

    Tatsächlich? Das Büro für angewandte Poesie hat anderes beobachtet: ● In Texten häufen sich Buchstabendreher und grammatische Ungereimtheiten, denn Zeitungen, Verlage oder Werbeagenturen sparen sich Korrektoren und Korrektur. ● Mit der Orthografiereform hat der Duden seine sprachpflegende Aufgabe abgeben müssen. Jetzt schustern Elfenbeinturm- und Bürosesselbewohner an den Regeln von Rechtschreibung und Grammatik und reiten dabei mit Vorliebe ihre eigenen Steckenpferde. ● Sprachgeschichte, die zu Zeiten der Gebrüder Grimm zum allgemeinen Wissenskanon gehörte, kommt nicht vor im Unterricht oder im Bewusstsein der Sprechenden. Statt eines komplexen, fließenden Systems sehen viele in der Sprache etwas Ehernes, ewig Gesetztes, dessen Struktur nur wenige Auserwählte durchschauen. Folge: Das Amtsdeutsch mit seinen leblosen Passiv- und Nominalkonstruktionen gewinnt an Stärke. Menschen „werden geboren“, ohne dass ihre Mütter anwesend sind und „versterben“ schließlich an einem „Unfall mit Todesfolge zum Nachteil des Geschädigten“. Wir wissen nicht mehr, wie uns das Maul gewachsen ist. Wir vertrauen blind den Orthografieregeln, die uns die Computer-Rechtschreibprogramme vorgeben und den Sprechnormen der Navigationsgeräte. Wohl bemerkt: Das Poesiebüro will nicht lamentieren über den Niedergang von Kultur und Sprache, die durch Anglizismen, „schlechtes Deutsch“ oder "Fehler" überschwemmt oder durch neumodische Angewohnheiten wie Internet, SMS oder Twitter zerstört würden, wie manche meinen. Im Gegenteil: Das Büro für angewandte Poesie begrüßt freudig jede kreative Wortschöpfung, jeden Newcomer mit Integrationsbedarf, jedes "downgeloaded", „gegoogelt“ und "upgedated". Vielmehr beklagt das Poesiebüro eine zunehmende Achtlosigkeit der Sprache gegenüber. Wie viele Dilettanten segeln fröhlich auf der Wirtschaftsflaute, fädeln leichthin oder im Akkord Worte aneinander und drücken Normen und Preise! Und es beklagt blinde Autoritätsgläubigkeit bei denen, die täglich sprechen, schreiben und hören – uns allen. Das Büro für angewandte Poesie erklärt hiermit: Wir lassen uns nicht mehr einschüchtern von scheinbaren Autoritäten und Regeln! Vertrauen wir unserer eigenen Sprach-Kompetenz! Mut zur Anarchie! Eine so wichtige Angelegenheit wie die Sprache können wir nicht leichtsinnigen Pfuschern überlassen oder kopflastigen Wissenschaftlern. Schluss damit! Nehmen wir die Sprach-Sache selbst in Hand und Mund! Jetzt reden und schreiben wir mit! Wir geben die Sprache denen zurück, denen sie gehört - uns allen. Vor allem jedoch fordern wir: Schluss mit den Hungerlöhnen! Angemessene Bezahlung für alle, die professionell mit der Sprache arbeiten! Und nebenbei, wer beherrscht hier wen: Wir die Sprache – oder die Sprache uns? (Dank an die Weimarer Schreibwerkstatt für Hinweise und Diskussion)
  • Facebook-Revolution in Tunesien?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.02.2011 in Fundstücke

    Auch vor Facebook soll es schon Revolutionen gegeben haben. Inzwischen aber entwickelt sich die völlig neue Infrastruktur einer digitalen Öffentlichkeit. Facebook soll eine Manipulation der tunesischen Regierung ausgebremst haben, erläutert Blogger Sacha Lobo.

    Facebook-Revolution
    siehe auch hier
    und hier
  • Tabu Legasthenie

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.02.2011 in Fundstücke

    "Wenn Sie nicht gescheit lesen und schreiben können, haben Sie hier nichts zu suchen", hören Studierende mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oft. Dabei verfügen Legastheniker über besondere Begabungen. Nur wenige Universitäten berücksichtigen das.
    Auf Kriegsfuß mit der Rechtschreibung

  • Wikileaks und Frauenhass

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.01.2011 in Fundstücke

    Im "Freitag" gefunden: Ein kluger Artikel zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Assange. Ich kenn da so Einige, die sich den hinter die Ohren schreiben sollten...
    Der Freitag

  • "Alternativlos" ist Unwort des Jahres 2010

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.01.2011 in Fundstücke

    Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat  "alternativlos" zum "Unwort des Jahres" gekürt. Der Begriff rekurriert auf einen Kommentar der Bundeskanzlerin  zur Finanzhilfe für Griechenland. Mit der Wahl tritt noch mal so richtig die Angst des deutschen Kleinbürgers zutage, zu kurz zu kommen. Muss wohl an den Einsendungen gelegen haben.

    Die Presse war schneller als die GfdS

  • Atlas der Alltagssprache

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 16.01.2011 in Fundstücke

    Die Sprache verändert sich permanent, so die Universität Augsburg. Um das zu dokumentieren, hat sie einen Atlas der Alltagssprache erarbeitet.
    Atlas der Alltagssprache


  • Sarrazin lockt massenhaft hellbraune Biedermeier

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    2500 Besucher lauschten gestern in Dresden einer Lesung von Thilo-Sarrazin aus seinem Buch "Deutschland schafft sich ab".  Mickrige 150 Gegendemonstranten versuchten, die Gäste auf einen braunen Teppich zu locken.

    Nachhören auf MDR-Figaro

  • Wikipedia wird zehn Jahre alt

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    Stöbern Sie auch in gern Lexika? Meine Eltern hatten eine mehrbändige Ausgabe von "Meyers Lexikon". Einzelne Bände habe ich mir oft aus dem Regal genommen und wahllos drin geschmökert. Seinerzeit zierten in edles Leder gebundene Kompendien die Bücherschränke fast aller bürgerlichen Haushalte. Wissen Sie noch?
    Lassen Sie uns eine Gedenkminute einlegen für die altmodischen und schwerfälligen Brockhaus-Brüder und Schwestern.
  • Es muss nicht immer Goethe sein

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    Frankfurt a.M. will ein Romantik-Museum eröffnen. Mit ihrem großen Sohn, Johann Wolfgang von... ist die Stadt anscheinend nie richtig warm geworden.

    Mehr darüber

  • Federkiel und Tinte

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    Eine Ausstellung über alte Bücher, die Herstellung von Papier und das Schreiben vor 300 Jahren will der Menantes-Förderkreis  in diesem Jahr in der Menantes-Gedenkstätte in Wandersleben (Thüringen) eröffnen.  Menantes  ist der Künstlername des Barockdichters Christian Friedrich Hunold, der in dem kleinen Ort in der Nähe der Landeshauptstadt Erfurt lebte und wirkte. Der Förderkreis lobt zudem einmal im Jahr den Menantes-Preis für erotische Dichtung aus.

    Menantes-Gedenkstätte
  • Sauklaue

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 10.01.2011 in Fundstücke

    Nicht das Schreiben mit der Hand sei bedroht, sondern die Schriftsprache drohe "im Orkus des Internet-Denglish" zu verflachen, meint Juraprofessor Thomas Hoeren in seiner Kolumne.

    Quelle
  • Fräulein Meier, zum Diktat!

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 06.01.2011 in Fundstücke

    Steno, die frühere Sekretärinnen-Kurzschrift, wird an der Universität Bonn gelehrt. Studierende könnten mit Steno viel effektiver mitschreiben als mit der lateinischen Schrift, meint Friedrich Koßwig, emeritierter Professor für Mathematik und Statistik. Über mangelnde Nachfrage braucht sich der Schnellschreib-Prof nicht zu beklagen.

    Fasse Dich kurz!
  • Eva Strittmatter gestorben

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 05.01.2011 in Fundstücke

    Nachruf von Irmtraud Gutschke. Die Journalistin - eine frühere ND-Kollegin von mir - hat 2008 beim Aufbau-Verlag ein Buch mit Gesprächen mit der Dichterin veröffentlicht.
  • Kommunale Bibliotheken erhalten

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 03.01.2011 in Fundstücke

    Bibliothekenschwund, Theatersterben - die kommunale Kultur scheint von einer unheilbaren Degenerationskrankheit befallen zu sein, die den Körper aushöhlt und in Wellen immer wieder kehrt. Dass dabei das Immunsystem versagt, hat jetzt auch die FAZ konstatiert  - wo sind die Wutbürger, wenn es um den Erhalt kommunaler Bibliotheken geht, fragt sie in ihrer heutigen Ausgabe (Montag). Das Poesieburo meint:  Fasst euch an die eigene Nase! Solange die Feuilletons der überregionalen Medien (von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen) lieber über Staats- als über Stadttheater berichten und die kommunale Kultur auch sonst beharrlich ignorieren, haben die Kulturkürzer weiterhin freie Hand.

    Artikel in der FAZ
  • Digitalisierung bedroht Bücher

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 20.12.2010 in Fundstücke

    Tastatur oder Touch Screen -  wie halten Sie es mit dem Schreiben? Der "Stern" hat für 2011 eine Hitliste von zehn aussterbenden Tätigkeiten oder Dingen zusammen gestellt. Ganz oben: Briefe oder Postkarten mit der Hand schreiben. Auch Bücher oder Zeitungen wird es demnach in einem Jahr nicht mehr geben, so der "Stern". Das Poesiebüro empfielt dazu den Klassiker von Marshall McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis (Infos). Übrigens: Wir sind altmodisch und schreiben gern und viel mit der Hand. Und das wird sich auch im nächsten und übernächsten Jahr nicht ändern.

    Vom Aussterben bedroht?

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