Poesieblog

  • Guttenberg und die Wissenschaft

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 23.02.2011 in Fundstücke

    Da schreibt einer Teile seiner Doktorarbeit ab und lässt von anderen zuarbeiten, ohne sie zu erwähnen. Und niemand nimmt Anstoss daran. Schließlich ist der hoffnungsvolle Doktorand inzwischen Verteidigungsminister und heißt zu Guttenberg. Werden wir von Betrügern und Hochstaplern regiert? Was ist das für eine Einstellung zur Wissenschaft und zu wissenschaftlichem Arbeiten? Für alle, die sich selbst ein Urteil über den smarten Verteidigungsminister bilden wollen:
    Plagiatswiki zur Guttenberg-Doktorarbeit

  • Lasst die Buchstaben tanzen

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.02.2011 in Schreiben

    Die Thüringer Grundschulen schaffen die Schreibschrift in der ersten Klasse ab.

    Die Thüringer Grundschulen schaffen die Schreibschrift in der ersten Klasse ab. Ich erinnere mich noch, wie ich das Schreiben für mich entdeckte, die Lust, Buchstaben zu malen und damit Botschaften zu erschaffen. Da waren diese geheimnisvollen Zeichen der Schreibschrift, tanzende Striche und Figuren, die miteinander in einem komplizierten Beziehungsgeflecht standen. Das kleine k mit seinem dicken Bauch machte einen Ausfallschritt, das x tanzte Cha-Cha-Cha, das große S drehte eine Pirouette, das kleine s musste sich abstützen dabei. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich brauchte, um zu begreifen, dass Schreib- und Druckschrift zwei Varianten desselben Phänomens sind. Kann sein, dass mich dieses Nebeneinander irritiert hat. Doch das hat mich nicht abgehalten. Die Schrift war ein Geheimnis, das ich unbedingt ergründen wollte. Ein Abenteuer, an dem nicht nur Augen und Kopf, sondern der ganze Körper beteiligt waren, der geduldig trainieren und üben musste. Ich glaube, Kinder brauchen solche komplexen Lern-Abenteuer. Wer sie ihnen nimmt, wer den Lernweg abkürzen will, schränkt sie ein in ihrem Ausdruck, in ihrer Lebendigkeit. Kinder wollen lernen, in aller Ausführlichkeit und mit allen Umwegen. Sie sind unglaublich gierig. Doch noch mehr beschäftigt mich der kulturhistorische Aspekt. Das Schreiben ist eine uralte Kulturtechnik, die dem Menschen nicht gerade nahe liegt, sondern die er mühsam erlernen muss - wie Auto fahren oder einen Computer benutzen. Die Schrift erst hat große kulturelle Leistungen möglich gemacht: Sie erlaubte die Trennung von Autor und Werk und damit die Weitergabe und Archivierung von Wissen über Raum und Zeit. Eine reine Gedächtniskultur, die sich nur auf eine mündliche Überlieferung stützen kann, ist immer verbunden mit der direkten Kommunikation. Verlieren Schreiben als Kulturtechnik und die Schrift immer mehr Bedeutung? Im Netz oder per SMS werden viele Begriffe oder Emotionen bereits mit Piktogrammen (sog. Icons) umschrieben: für :)) oder :o haben sich Konventionen herausgebildet, der Briefumschlag für eine eingehende E-Mail ist ebenso geläufig wie der Einkaufswagen oder der Papierkorb. Ist @ ein Buchstabe? Sicher nicht. Dass Texte im Internet anders gelesen werden als in Büchern, haben Untersuchungen mehrfach nachgewiesen: Die User springen von Text zu Text, folgen Links oder verlieren schlicht die Geduld und hören auf. Die Lesegewohnheiten haben sich rapide geändert. Man schaue sich alte Zeitungen an. Die reinsten Bleiwüsten. So etwas würde heute niemand mehr lesen. Schreibe ich mit der Hand oder lese ich, findet die Kodierung in meinem Kopf statt. Ich benutze Konventionen, die den Zeichen Bedeutungen zuordnen. Ich weiß, dass sich Worte aus Buchstaben zusammensetzen, ich kombiniere Zeichen und Bedeutungen automatisch. Der Computer hingegen kennt nur Nullen und Einsen. Er muss erst übersetzen, was ich in die Tastatur hacke. Die Computerhersteller haben mir die Eingabe erleichtert, eine Übersetzungshilfe geliefert, indem sie die Buchstaben auf die Tasten geprägt haben. Das erzeugt die Illusion, alles wäre noch beim Alten. Doch das glaube ich nicht. Irgendwann weisen unsere Tastaturen nur noch Piktogramme auf wie die Kassenautomaten bei Mac Donalds. Dann geben wir unsere Informationen nur noch per Touch Screen ein. Schließlich sprechen wir, statt zu schreiben. Aber ich muss jetzt aufhören. So einen langen Text scrollt niemand bis zum Ende. (Anke) Interessanter Beitrag zur Debatte von der Grundschullehrerin Ute Andresen: Die Hand, die Schrift, das Schreiben, die Freiheit Im Blog vom Freitag gibt es zu dem Thema einen interessanten Beitrag
  • Wikileaks

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.02.2011 in Politisches

    Wikipedia find ich gut, Wikileaks ist für mich besserer Bürgerjournalismus. Andere Meinung? Her damit!

    Wissen Sie noch, wie das war mit zwölf, auf dem Schulhof: das Gefühl, dass die anderen nicht nur schöner und angesagter sind als Sie, sondern auch noch hinter Ihrem Rücken über sie kichern? Sich gegen Sie verbünden? Jetzt wissen wir also, wie die Amerikaner über uns reden, genauer gesagt über unsere Politiker. Hinter unserem Rücken. Na und? Machen wir doch auch so, oder? Ich für meinen Teil erstarre nicht in Ehrfurcht vor den staatsmännischen/-frauischen Leistungen unserer Staatsleute, und ich pflege da auch kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sie vielleicht? Und schließlich werden unsere Staatsleute gut bezahlt, so dass sie sich ein dickes Fell locker leisten können. O.k, ich weiß. Wir sind nicht das Außenministerium, wir sprechen für keine Weltmacht, sondern für uns ganz allein. Diplomaten jedoch! Müssen sich immer diplomatisch verhalten! Könnte sonst zu diplomatischen Verwicklungen führen. Zum Krieg! Ha! Glauben Sie etwa, dass Menschen, die auf der Karriereleiter nach ganz oben klettern, unterwegs persönlich und menschlich reifen? Dass demnach die, die an der Spitze stehen, ganz ohne Makel sind, die Krone der Schöpfung, der Empathie? Der Diplomatie? Ich nicht. Ich behaupte sogar, ein ähnliches Stasi-Dossier hätte auch aus dem deutschen Außenministerium schwappen können. Der Schaden entsteht ganz woanders. Wikileaks setzt nämlich Maßstäbe in punkto investigative Recherche. Dabei ist das Internet-Projekt gerade dabei, sich seinen Ruf zu versauen, indem es sich zur Plattform des Bürgerjournalismus mausert. Hier kann jeder, der Zugang zu Interna hat, diese der Welt per Mausclick mitteilen, ohne Rücksicht auf Verluste. Journalismus jedoch ist mehr als delikate Details ans Licht zu zerren, einen Sturm aus Schadenfreude und empörter Rechtschaffenheit zu entfachen und sich selbstgerecht zurückzulehnen. Und das Wissen darum geht mehr und mehr verloren, weil immer weniger Leute Qualitätsjournalismus einfordern, der ihnen gleichzeitig immer seltener geboten wird. Stattdessen schütten Medien und Netz die Leute mit Informationen zu, die an niedere Instinkte appellieren, scheinbar höchstbrisant und am nächsten Tag vergessen sind. Und was hat uns dieser aufgeblasene Schmuddelkram gebracht? Wikileaks eine Menge Klicks. Empörte Titelseiten in Boulevardmagazinen. Und mir eine kleine böse Erinnerung an ein Lebensalter, aus dem ich schon lange rausgewachsen bin.
  • Stirbt die Schreibschrift aus?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 21.02.2011 in Fundstücke

    Schreibschrift lernen - eine Zumutung für Erstklässler? In den Thüringer Grundschulen schreiben die Schüler zunächst ausschließlich Druckschrift. Stirbt langsam eine alte Kulturtechnik aus? Kommen wir wieder zur Mündlichkeit?Gedanken dazu auch auf unserem Poesieblog.

    Schreib- oder Druckschrift
    Beitrag der erfahrenen Grundschullehrerin Ute Andresen

  • Schimmel frisst Bücher auf

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 10.02.2011 in Fundstücke

    Das Zentrum für Bucherhaltung hat im Schlossmuseum Arnstadt Schimmel gefunden. Die Pilzsporen belasten Bücher und Mitarbeiter. Unklar ist bislang, wohin die 20.000 Bände der historischen Bibliothek verlagert werden.

    Schimmel bedroht Bücherei
  • Seine Muttersprache beherrscht doch jeder!

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 05.02.2011 in Gutes Deutsch

    Tatsächlich? Das Büro für angewandte Poesie hat anderes beobachtet: ● In Texten häufen sich Buchstabendreher und grammatische Ungereimtheiten, denn Zeitungen, Verlage oder Werbeagenturen sparen sich Korrektoren und Korrektur. ● Mit der Orthografiereform hat der Duden seine sprachpflegende Aufgabe abgeben müssen. Jetzt schustern Elfenbeinturm- und Bürosesselbewohner an den Regeln von Rechtschreibung und Grammatik und reiten dabei mit Vorliebe ihre eigenen Steckenpferde. ● Sprachgeschichte, die zu Zeiten der Gebrüder Grimm zum allgemeinen Wissenskanon gehörte, kommt nicht vor im Unterricht oder im Bewusstsein der Sprechenden. Statt eines komplexen, fließenden Systems sehen viele in der Sprache etwas Ehernes, ewig Gesetztes, dessen Struktur nur wenige Auserwählte durchschauen. Folge: Das Amtsdeutsch mit seinen leblosen Passiv- und Nominalkonstruktionen gewinnt an Stärke. Menschen „werden geboren“, ohne dass ihre Mütter anwesend sind und „versterben“ schließlich an einem „Unfall mit Todesfolge zum Nachteil des Geschädigten“. Wir wissen nicht mehr, wie uns das Maul gewachsen ist. Wir vertrauen blind den Orthografieregeln, die uns die Computer-Rechtschreibprogramme vorgeben und den Sprechnormen der Navigationsgeräte. Wohl bemerkt: Das Poesiebüro will nicht lamentieren über den Niedergang von Kultur und Sprache, die durch Anglizismen, „schlechtes Deutsch“ oder "Fehler" überschwemmt oder durch neumodische Angewohnheiten wie Internet, SMS oder Twitter zerstört würden, wie manche meinen. Im Gegenteil: Das Büro für angewandte Poesie begrüßt freudig jede kreative Wortschöpfung, jeden Newcomer mit Integrationsbedarf, jedes "downgeloaded", „gegoogelt“ und "upgedated". Vielmehr beklagt das Poesiebüro eine zunehmende Achtlosigkeit der Sprache gegenüber. Wie viele Dilettanten segeln fröhlich auf der Wirtschaftsflaute, fädeln leichthin oder im Akkord Worte aneinander und drücken Normen und Preise! Und es beklagt blinde Autoritätsgläubigkeit bei denen, die täglich sprechen, schreiben und hören – uns allen. Das Büro für angewandte Poesie erklärt hiermit: Wir lassen uns nicht mehr einschüchtern von scheinbaren Autoritäten und Regeln! Vertrauen wir unserer eigenen Sprach-Kompetenz! Mut zur Anarchie! Eine so wichtige Angelegenheit wie die Sprache können wir nicht leichtsinnigen Pfuschern überlassen oder kopflastigen Wissenschaftlern. Schluss damit! Nehmen wir die Sprach-Sache selbst in Hand und Mund! Jetzt reden und schreiben wir mit! Wir geben die Sprache denen zurück, denen sie gehört - uns allen. Vor allem jedoch fordern wir: Schluss mit den Hungerlöhnen! Angemessene Bezahlung für alle, die professionell mit der Sprache arbeiten! Und nebenbei, wer beherrscht hier wen: Wir die Sprache – oder die Sprache uns? (Dank an die Weimarer Schreibwerkstatt für Hinweise und Diskussion)
  • Facebook-Revolution in Tunesien?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.02.2011 in Fundstücke

    Auch vor Facebook soll es schon Revolutionen gegeben haben. Inzwischen aber entwickelt sich die völlig neue Infrastruktur einer digitalen Öffentlichkeit. Facebook soll eine Manipulation der tunesischen Regierung ausgebremst haben, erläutert Blogger Sacha Lobo.

    Facebook-Revolution
    siehe auch hier
    und hier
  • Tabu Legasthenie

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.02.2011 in Fundstücke

    "Wenn Sie nicht gescheit lesen und schreiben können, haben Sie hier nichts zu suchen", hören Studierende mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oft. Dabei verfügen Legastheniker über besondere Begabungen. Nur wenige Universitäten berücksichtigen das.
    Auf Kriegsfuß mit der Rechtschreibung

  • Wikileaks und Frauenhass

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.01.2011 in Fundstücke

    Im "Freitag" gefunden: Ein kluger Artikel zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Assange. Ich kenn da so Einige, die sich den hinter die Ohren schreiben sollten...
    Der Freitag

  • "Alternativlos" ist Unwort des Jahres 2010

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.01.2011 in Fundstücke

    Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat  "alternativlos" zum "Unwort des Jahres" gekürt. Der Begriff rekurriert auf einen Kommentar der Bundeskanzlerin  zur Finanzhilfe für Griechenland. Mit der Wahl tritt noch mal so richtig die Angst des deutschen Kleinbürgers zutage, zu kurz zu kommen. Muss wohl an den Einsendungen gelegen haben.

    Die Presse war schneller als die GfdS

  • Atlas der Alltagssprache

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 16.01.2011 in Fundstücke

    Die Sprache verändert sich permanent, so die Universität Augsburg. Um das zu dokumentieren, hat sie einen Atlas der Alltagssprache erarbeitet.
    Atlas der Alltagssprache


  • Sarrazin lockt massenhaft hellbraune Biedermeier

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    2500 Besucher lauschten gestern in Dresden einer Lesung von Thilo-Sarrazin aus seinem Buch "Deutschland schafft sich ab".  Mickrige 150 Gegendemonstranten versuchten, die Gäste auf einen braunen Teppich zu locken.

    Nachhören auf MDR-Figaro

  • Wikipedia wird zehn Jahre alt

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    Stöbern Sie auch in gern Lexika? Meine Eltern hatten eine mehrbändige Ausgabe von "Meyers Lexikon". Einzelne Bände habe ich mir oft aus dem Regal genommen und wahllos drin geschmökert. Seinerzeit zierten in edles Leder gebundene Kompendien die Bücherschränke fast aller bürgerlichen Haushalte. Wissen Sie noch?
    Lassen Sie uns eine Gedenkminute einlegen für die altmodischen und schwerfälligen Brockhaus-Brüder und Schwestern.
  • Es muss nicht immer Goethe sein

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    Frankfurt a.M. will ein Romantik-Museum eröffnen. Mit ihrem großen Sohn, Johann Wolfgang von... ist die Stadt anscheinend nie richtig warm geworden.

    Mehr darüber

  • Federkiel und Tinte

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 14.01.2011 in Fundstücke

    Eine Ausstellung über alte Bücher, die Herstellung von Papier und das Schreiben vor 300 Jahren will der Menantes-Förderkreis  in diesem Jahr in der Menantes-Gedenkstätte in Wandersleben (Thüringen) eröffnen.  Menantes  ist der Künstlername des Barockdichters Christian Friedrich Hunold, der in dem kleinen Ort in der Nähe der Landeshauptstadt Erfurt lebte und wirkte. Der Förderkreis lobt zudem einmal im Jahr den Menantes-Preis für erotische Dichtung aus.

    Menantes-Gedenkstätte

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