Poesieblog

  • Blinde Flecken in der Berichterstattung

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 08.03.2016

    Wie jedes jahr veröffentlicht die Initiative Nachrichtenaufklärung INA  Nachrichten, die in den Medien nicht vorkommen. Darunter sind Knaller wie die Finanzierung von Nuklearwaffen durch deutsche Finanzinstitute.
  • Presse in Thüringen: demnächst alles eins!

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 26.02.2016

    In Thüringen geht demnächst ein weiteres Stück Pressevielfalt verloren. Ab Juni 2016 will die Funke-Mediengruppe ihre drei Thüringer Tageszeitungen TA, TLZ und OTZ stärker "zentralisieren". Die Mediengruppe erklärte, sie wolle Mantel-Redaktionen auflösen und das Lokale stärken. Hintergründe erläutert der ehemalige TA-Redakteur Falk Heunemann.
  • Hate Speech

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 25.02.2016

    über die Rolle sozialer Medien als Brandbeschleuniger spricht Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler und Blogger,  im NDR-Interview. Interessant auch der Beitrag von Sprachwissenschaftler Bernhard Pörksen, der Mechanismen der Enthemmung beschreibt.
  • Autoren sind Kotzbrocken

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 23.02.2016

    ... meint Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp-Verlages in der Süddeutschen.
  • E-Book oder Papierbuch?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.01.2016 in Lesen

    Der Weihnachtsmann (danke Mutti!) hat mir einen E-Book-Reader beschert. Weil ich inzwischen tief im Lesebrillen-Alter stecke, war ich angetan von der Möglichkeit, die Buchstaben zu vergrößern, eine andere Schrift einzustellen oder das Display zu beleuchten.

    Der Weihnachtsmann (danke Mutti!) hat mir einen E-Book-Reader beschert. Weil ich inzwischen tief im Lesebrillen-Alter stecke, war ich angetan von der Möglichkeit, Geschriebenes so lesefreundlich zu machen, wie ich es brauche: die Buchstaben zu vergrößern, eine andere Schrift einzustellen oder das Display zu beleuchten. Zudem reizt mich die Möglichkeit, mit Hyperlinks einen Text mehrdimensional aufzufächern. Und nicht zuletzt der praktische Aspekt: Wer will schon auf längeren Reisen einen Stapel fette Schwarten mit sich herum schleppen? Auf dem Reader waren unendlich viele, gemeinfreie Bücher vorinstalliert, ich entdeckte Rilke-Gedichte und schmökerte los. Und musste schnell die Brille wieder rausholen, denn wenn ich die Schrift größer stellte, gab's mitten in der Verszeile einen Zeilenumbruch. Und das geht ja nun garnicht! Sakrileg! Überhaupt: Kein Layout mehr. Kein wohlausgewogener Gesamteindruck von Schriftbild und Seite. Bei der Zeitungs- und Buchgestaltung kann die richtige Zeilen- und Buchstabenaufteilung echte Fitzelarbeit sein: Blocksatz so zu spationieren, dass keine großen Löcher entstehen, die das Schriftbild zerreißen. Dieses Problem gibt's bei E-Books schonmal nicht. Doch ich finde es irritierend, dass die Formatierungen variabel sind und Satzspiegel und Seitenaufteilung sich ändern. Schrift pur. Nichts sonst. Daran habe ich gemerkt, wie wichtig mir der Griff zum gedruckten Buch ist. Jedes ist einzeln und unverwechselbar. Schrift, Satzspiegel, Papierstärke, Dicke, die Stärke des Einbandes, Geruch, Fettflecken und Eselsohren, geben ihm etwas Unverwechselbares, Persönliches. Vermutlich wird das digitale Lesen unser Verhältnis zu Texten grundlegend verändern. In einem E-Book-Reader stecken alle Geschichten in derselben Verpackung. Für mich geht damit etwas von ihrem Glanz verloren. Wie ändert sich der Inhalt, wenn die Form beliebig ist?
  • Griff in die Portokasse

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 08.12.2015 in Politisches, Schreiben

    Wieder einmal holt die Deutsche Post zu einem vernichtenden Schlag gegen ihren Lieblingsfeind aus: ihre Kundschaft. Genauer gesagt, die Ewiggestrigen, die immer noch Briefe schreiben und sie per Post befördern lassen wollen.

    Eigentlich postalisches Kerngeschäft, sollte man meinen. Doch es sieht immer mehr so aus, als wollte die Post das unrentable Briefgeschäft klammheimlich ausbluten lassen. Wer schon einmal mit einem dringenden Brief in der Hand die Straßen auf der Suche nach einem Briefkasten abgeklappert hat (ich weiß genau, hier war mal einer!), weiß, wovon ich rede.

    Briefkästen verschwinden einfach (Wissen Sie noch? Diese gelben Blechdinger, in die man seine Post werfen konnte, also die Papierpost meine ich). Die vorhandenen werden immer seltener geleert. Postfilialen schließen oder können, wie bei uns hier, nur überleben, weil sie sich Räume und Arbeitskräfte mit einer Textilreinigung teilen.

    n den letzten Jahren stieg das Porto in exorbitante Höhen, immer wenn man glaubte, jetzt reicht's aber, legte die Post noch was drauf. Kaum hatte ich den ersten Stapel 2-Cent-Zusatzbriefmarken abgearbeitet, mit dem man die Briefmarken aufstocken konnte, kam schon der 3-Cent-Ergänzungsstapel, den ich schließlich mit einem 5-Cent-Stapel kombinieren konnte. 

    Briefe schreiben: wird das jetzt Luxus? Verkommt das Schreiben mit der Hand zu einem Hobby der altmodischen Bildungsbürger? Briefe! Keine E-Mails! Mit der Hand, einem Füller, auf schönem Papier! Direkt Kopf – Hand – Buchstabe. Mein Vorschlag: Briefe künftig nach dem Schreiben einscannen und per Mail verschicken. Und groß den Hinweis plazieren: Bitte auf 100g-Büttenpapier ausdrucken!

  • Gender live: noch eins

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 21.11.2015 in Gender

    "Es sollte jedem selber überlassen sein, wie er entbindet." (Gehört auf MDR Figaro, in einem Feature über Kaiserschnitt-Entbindungen. Anscheinend handelt es sich um ein Zitat aus einem Forum)

  • Freitag, der 13.

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 13.11.2015 in Poesie-Debatte

    Aberglaube Aberglaube. Vierblättriges Kleeblatt, Lieschen fand's am Rain ...

    Aberglaube
    Vierblättriges Kleeblatt: Lieschen fand’s am Rain.
    Vor Freude, es zu haben
    Sprang Lieschen über’n Graben
    Und brach ihr bestes Bein.

    Spinnelein am Morgen: Lieschen wurd’ es heiß.
    Der Tag bracht’ keinen Kummer,
    Und abends vor dem Schlummer,
    Bracht’ Vater Himbeereis.

    Der Storch bringt nicht die Kinder,
    Die Sieben bringt kein Glück.
    Und einen Teufel gibt es nicht in uns’rer Republik!

    Dieses wunderbare Zeugnis DDR-deutscher Poesie stammt (na?) von Bertold Brecht (wer hätte das gedacht!) und geistert seit der dritten Klasse in den Kammern meines Gedächtnisses umher. Heute, am Freitag, dem 13. November 2015, hat es die Nase ins Licht gesteckt und wird an dieser Stelle allen angstbefangenen Abergläublingen präsentiert. Und wenn ich die Zeilen dem Reim gemäß umbreche: Ist es gar ein Sonett? Ein nicht ganz vollendetes?

    Nachtrag: Nach den Ereignissen dieses Abends mag ich über Aberglauben nicht mehr scherzen.

  • Gender live

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 10.11.2015 in Gender

    Neulich bei der Tierärztin: "Sind Sie heute die Schwester?" "Ja", sagte der Pfleger und errötete leicht.

  • Papierkorb oder Schatzkiste?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.09.2015 in Schreiben

    Mein Rechner ist voll mit angefangenen und nie fertig gestellten Geschichten, Skizzen, Beschreibungen, Situationen. Lange Zeit habe ich mich deshalb schlecht gefühlt, eine Versagerin. Heute weiß ich: Es gibt keinen Abfall. Das sind Schätze!

    Mein Rechner ist voll mit angefangenen und nie fertig gestellten Geschichten, Skizzen, Beschreibungen, Situationen. Lange Zeit habe ich mich deshalb schlecht gefühlt, eine Versagerin. Wahrscheinlich bin ich zu faul, habe zu wenig Disziplin, Phantasie, Zeit oder Geld und überhaupt bin ich keine »richtige« Schriftstellerin, denn die sehen sofort, ob Potenzial in einer Geschichte steckt, und vergeuden nicht unnütz ihre Kraft. Oder beim Schreibseminar in Wolfenbüttel, als wir über unser Schreiben nachdenken sollten. »Ich sichte zuerst meine halb fertigen Sachen«, habe ich gesagt. »Manchmal entdecke ich plötzlich das andere Ende einer Geschichte.« Die anderen haben vielleicht komisch geguckt. Verständnislos. Die ziehen immer jede Menge guter Einfälle aus dem Hut, ein ganzes Feuerwerk kreativer Ideen. Und ich? Wühle im Abfall! Dabei lese ich oft in meinem Steinbruch-Ordner herum und denke: Wow! Das ist gut! Das würde ich gern mal verwenden! Und immer öfter klappt das auch: Ich arbeite an einer Sache, ein Thema verdichtet sich beim Schreiben, ich denke: »Moment, da hatte ich doch was!« Und siehe da, ein bisher ungerichteter, schwebender Text passt sich nahtlos ein wie ein Puzzle-Stück. Heute weiß ich: Es gibt keinen Abfall. Das sind Schätze! Intuitiv habe ich alles richtig gemacht: gesammelt! Ich hatte nur eine falsche Vorstellung übers Schreiben. Inzwischen habe ich eine Schatzkiste, nur für die losen Diamanten, die ich an passenden Stellen einfügen kann und die die Geschichten zum Funkeln bringen. Literatur-Tipp: Hanns-Josef Ortheil: Schreiben dicht am Leben. Notieren und Skizzieren. Mannheim, Dudenverlag 2012
  • Das, dass, daß und der Sprachwandel

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.08.2015 in Gutes Deutsch, Schreiben

    Das ß wurde oft tot gesagt und hat doch überlebt. Das gelang nur dank einer Umdeutung. Seit mehr als 70 Jahren wird die deutsche Schrift nur noch vereinzelt geschrieben. Dass (Das?) das deutsche Alphabet einmal in Schreib- und Druckschrift zwei kleine S unterschied, weiß heute kaum jemand, und so hat das ß eine Umdeutung erfahren: aus zwei wurde eins. Entstanden ist es aus der Ligatur (Verschmelzung) zweier Buchstaben, also als Doppelkonsonant.

    Ob ich Probleme hätte, wenn alle Beiträge der Anthologie in der alten Rechtschreibung abgedruckt würden – also auch meiner, fragte ein Verleger, dem ich einen Text eingereicht hatte. Zwar schriebe ich sowieso vieles nach der alten, doch Eingriffe in meine Orthografie lehnte ich grundsätzlich ab, antwortete ich. Ob z.B. in der Ausgabe die Konjunktion »dass« oder andere Worte mit kurzem Stammvokal (Schluss, Stuss, muss) mit »ß« geschrieben würden? »Wir schreiben grundsätzlich daß«, schrieb der Verleger zurück, »wir haben ebenfalls klare Vorstellungen was ›richtig‹ ist«. Hiermit möchte ich betonen - Ich habe keine klaren Vorstellungen, was »richtig« ist. Im Gegenteil: Kategorien wie »richtig« oder »falsch« lehne ich für die Sprache ab. Ich entscheide, was ich für sinnvoll halte und dann schreibe ich so. In Seminaren, bei Lektoraten oder auf meiner Homepage biete ich mein Sprachwissen an. Keinesfalls würde ich anderen meine »Vorstellungen« aufzwingen, wenn ich merke, sie wissen, wovon sie schreiben (siehe auch hier). - sprachliche Regeln sind sinnvoll, denn sie dienen der Verständigung, vor allem, wenn sich alle nach demselben Regelsystem richten. Aber Regeln sind starr und die Wirklichkeit überholt sie. Immer! Deshalb müssen sie hinterfragt, und, wenn sie keinen Sinn mehr machen, gebrochen werden – denn von allein ändert sich nix. Regelverstöße müssen für mich sinnvoll sein und gut begründet werden, wer die Regeln überwinden will, muss sie kennen. Wir Berufs-SchreiberInnen haben eine besondere Verantwortung zur Sprachpflege. Ein »Das ist richtig so« (meint: ich richte mich nach einem Regelsystem, das u.U. starr und unbeweglich ist und das ich nicht hinterfragt habe) würde ich, z.B. als Korrektorin, nicht gelten lassen. Wenn ein Verlag so argumentiert, finde ich das – nunja – erschreckend. Sprachwandel folgt Gesetzen, und die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Das ß stammt aus einer anderen Schreibepoche und wird heute anders interpretiert als damals, nämlich als ein Buchstabe. Tatsächlich ist es ursprünglich ein Doppelbuchstabe und entstand aus der deutschen Schrift, die vor über 70 Jahren (1941) abgeschafft wurde. (Hitler nannte die deutsche Schrift übrigens »Schwabacher Judenlettern«, nehmt DAS, ihr Frakturfreunde und »Tod-allen-Kinderschändern«-Nazis!). Heute hat das ß vor allem einen Lautwert (scharfes S) und wird nach langen Vokalen (z.B. Diphthongen) z.B. am Wortende geschrieben: ich weiß, heiß. Auch die letzte Rechtschreib-Reform ist schon wieder 20 Jahre her (1995). Damals hatte man zunächst dafür plädiert, das ß ganz abzuschaffen, im Englischen (oder anderen Sprachen) komme es nicht vor, so das Argument. Doch das ß ist immer noch da. Sprachwandel eben. Einige der ehemals strikten Regeln sind aufgeweicht und der Schriftgebrauch hat sich dem Sprachgefühl angenähert – zum Beispiel bei der Konjunktion »dass«, wo der kurze Stammvokal inzwischen regelhaft mit Doppelkonsonant gekennzeichnet wird. Das hat sich eingebürgert, und ich finde das gut. Warum allerdings der Artikel »das« eine Ausnahme macht, leuchtet mir nicht ein. Bei häufig verwendeten (stark frequentierten) Wörtern werden Ausnahmen oder Unregelmäßigkeiten eher toleriert als bei seltenen. (Anmerkung: Warum bei diesem Wort die Kennzeichnung der grammatischen Funktionen, nämlich »dass« als Konjunktion: »Ich sehe, dass das Haus an der Ecke steht«, und »das« als Artikel/Relativpronomen »Ich sehe das Haus, das an der Ecke steht«? Unnötig kompliziert! Für Schnell- und Vielschreiber ist die Trennung von »dass« und »das« eine ständige Fehlerquelle. Auch für mich – und ich kenne die Regeln! Logischer und einfacher wäre, beide Wortarten gleich zu scheiben und zwar (kurzer Stammvokal) mit Doppel-S (»dass«). Anmerkung 2: Allerdings müsste dann auch ess (statt es) oder mann (statt man) geschrieben werden. Ersteres kommt bestimmt irgendwann, letzteres ganz sicher nicht. Anmerkung 3: Die Variante: »Ich sehe, das das Haus an der Ecke steht« ist mir sympathischer. Das Doppel-S ist die sehr spezielle (= markierte) Form und die LeserInnen würden das Wort zuerst als Konjunktion interpretieren, auch wenn nur der Artikel steht.) Die Geschichte des »ß« Seit mehr als 70 Jahren wird die deutsche Schrift nur noch vereinzelt geschrieben. Dass (Das?) das deutsche Alphabet einmal in Schreib- und Druckschrift zwei kleine S unterschied, weiß heute kaum jemand, und so hat das ß eine Umdeutung erfahren: Aus zwei wurde eins. Nur so konnte das ß überleben. Entstanden ist es aus der Ligatur (Verschmelzung) zweier Buchstaben, also als Doppelkonsonant. Genauer gesagt flossen zwei unterschiedliche kleine S zusammen, nämlich: ʃ und ɕ. (Deshalb gibt es das ß nur als kleinen Buchstaben). Eine Ligatur diente der Verkürzung und funktionierte nur, wenn die Buchstaben tatsächlich in der entsprechenden Reihenfolge standen. Und das war nicht immer der Fall. Und jetzt folgt exklusiv die Erklärung, wann man in der deutschen Schrift welches S benutzt hat. Gefunden habe ich das in: Helmut Delbanco: Schreibschule der deutschen Schrift, herausgegeben vom Bund für deutsche Schrift und Sprache e.V. (2014, 9. Auflage) ɕ (das End-S) stand am Wortende, am Ende eines Teilwortes und vor Nachsilben wie -lein, -chen, -haft, -bot, -heit, und -lich, weil diese sinntragenden Nachsilben als Teilwörter galten. Das ʃ stand überall, wo das End-S nicht stand, also: - am Wort- und Silbenanfang, - im Inneren eines Wortes (z.B. auch in Buchstabenkombinationen wie -sch-, -sp-, -st-) Die Kombination [ʃɕ] stand demnach, wenn das zweite S ein Wort oder Teilwort abschloss: Faʃɕ, Kuʃɕ, ich muʃɕ, Imbiʃɕbude, ich saʃɕ, miʃɕ-achten, Gewiʃɕ-heit, daʃɕ, Täʃɕ-chen, eʃɕ-bar, häʃɕ-lich (heute: Fass, Kuss, ich muss, Imbissbude, ich saß, missachten, Gewissheit, dass, Tässchen, essbar, hässlich) Und: Für [ʃɕ] durfte in der deutschen Schrift immer ß geschrieben werden. Wie gesagt: Das ist unglaublich lange her. Geschrieben wurde damals mit einer Feder, die in ein Tintenfass getunkt wurde, auch Schreibmaschinen existierten bereits. Die Kinder lernten auf Schiefertafeln schreiben. Füller mit Tintenpatronen, Kugelschreiber oder gar Computer waren nicht in Sicht. Kaum vorstellbar. Meinen Text habe ich übrigens zurückgezogen. Aber gut, das wir drüber geredet haben. Und schön, das, dass und daß die Sprache so bunt sein kann. Noch eine Literaturempfehlung zu dem Thema: Frank Müller: ß. Ein Buchstabe wird vermisst. Eichborn-Verlag, Frankfurt a.M., 2008
  • Gedicht

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.07.2015

    formfehler

    wer bin ich?, fragte er die anderen.
    sei einfach du selbst! sagten sie.
    ich bin, wie ich bin!, wusste er
    und passte sich
    den unangepassten
    an.

    doch seine anpassung
    passte ihnen nicht,
    und ins unangepasst-sein
    passte er nicht rein.
    also drückte er sich

    beide augen zu.
    schnürte sich,
    engte sich,
    zwängte sich
    ins erdreht verstellte leben.

    und zwischen ich und über-ich
    verpasste er sich.

  • Zehn Tipps zum Schreiben

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.05.2015 in Schreiben

    ... gibt der Autor Tom Hillenbrand auf seinem Blog.
  • Fallbeil

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 29.04.2015 in Schreiben

    Nicht umsonst ermahne ich die TeilnehmerInnen meiner Kurse, die Werke der anderen respektvoll und mit Vorsicht zu kritisieren. Das bedeutet, mit einem Lob zu beginnen und, was stört oder irritiert, als Ich-Botschaften zu formulieren. Bemerkungen wie: »Alles voller Fehler! Und das hier, das geht überhaupt nicht. Total falsch!«, treffen unglaublich tief, wenn das Baby frisch geschlüpft ist.

    Die TeilnehmerInnen meiner Kurse ermahne ich immer, die Werke der anderen respektvoll und mit Vorsicht zu kritisieren. Das bedeutet, mit einem Lob zu beginnen und, was stört oder irritiert, als Ich-Botschaften zu formulieren. Bemerkungen wie: »Alles voller Fehler! Und das hier, das geht überhaupt nicht. Total falsch!«, treffen unglaublich tief, wenn das Baby frisch geschlüpft ist. Da sind beide, SchöpferIn und Geschaffenes, dünnhäutig, schwach und verletzlich. Sowas ist mir gestern passiert, das hat mich die ganze Nacht wachgehalten und mir ist wieder einmal bewusst geworden, wie wichtig der Grundsatz ist: Das Werk ist zu loben! In jedem Fall! Auch wenn es nicht gefällt, hat man zurückzutreten, sich einzufühlen, zu bemerken (und zu erwähnen), was alles drin steckt. Und was alles drin steckt in einem kreativen Produkt! Man denkt lange über eine Sache nach, entwickelt eine Idee, ganz behutsam erst, dann immer sicherer. Irgendwann gibt es kein Zurück mehr, die Arbeit, dein Projekt, nimmt dich ein, überschattet dein Leben, absorbiert dich, Wochenenden gehen drauf und ausgeschlafen hast du schon lange nicht mehr, und eigentlich müsstest du mal wieder ... Als würdest du einen Kontinent queren mit dem schutzlosen Wesen auf deinem Arm, Gipfel besteigen, gegen wilde Tiere und Ungeziefer kämpfen und eigene Körperteile vor Hunger verzehren. Und dann kommst du abgekämpft und verfilzt und verlaust mit dem zarten Ding aus dem Urwald und du stehst in der Sonne und staunst und fragst dich: Hat sich all das gelohnt? Das kleine Wesen scheint so perfekt, durchscheinend noch, aber wirklich. Doch ist alles richtig an ihm? Die anderen aber sind mit dem Bus gefahren, sitzen angeschickert an der Kaffeetafel und empfangen dich mit den Worten: »Na? Auch schon da? Was hast’n da für’n Scheiß?« Das Fallbeil. RUMMS! Wie man mit sowas umgeht? Ich hab mein Werk erstmal weggelegt. Kann sein, dass es überlebt.
  • Kein Frühling ist auch keine Lösung

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 09.04.2015 in Wege durch die Stadt

    Brettert vorbei und brüllt mich vom
    Damm ich pralle zurück ich
    fa... ich fal-
    le – LUFT!
    Krokusveilchenmärzenbecher
    Weidenkä...
    hä...
    hä...
    Grillanzün...
    Tschi! Tschi! Tschi! Tschi!

    Ach.
    einmal noch umdrehn,
    gemächlich der Sonne entgegen
    treiben – mäandern in Schatten und Licht.
    Ein bisschen noch hält meine Winterhöhle dicht,
    ein biss... ein biss...
    Ha. Ha.

    Mich drückt ein Ich-weiß-nicht-was.
    Es rast. Um mich. Es kitzelt. Es
    ist gar nicht lustig.

    Ha. Haha. Tschi! Tschi! Ha-Tschi-Hi-Hi!

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