Poesieblog

  • Amtsdeutsch 2: Versackt und gebeutelt

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 23.01.2013 in Gutes Deutsch

    Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt sondern versackt werden.

    Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt sondern versackt werden. ... Sollte sich bei der Inhaltsfeststellung eines Wertsackes herausstellen, dass ein in einem Wertsack versackter Versackbeutel statt im Wertsack in einem der im Wertsack versackten Wertbeutel hätte versackt werden müssen, so ist die in Frage kommende Versackstelle unverzüglich zu benachrichtigen. ... Quelle: Kilian, Michael: Literatur und Jurisprudenz – Anmerkungen zum Berufsbild des Juristen, in: Deutsche Richterzeitung (DRiZ) 1985, 18 Gefunden: www.gregor-jonas.de/witze/wertsack.htm am 21.1.2013 Von Claudia - vielen Dank! Nachtrag: Der Verfasser des Artikels ist mitnichten die Deutsche Bundespost, sondern vielmehr der Autor Wolf Wondratschek. Der Text steht in seinem ersten Buch: Früher begann der Tag mit einer Schusswunde (1969)
  • Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.01.2013 in Gutes Deutsch

    Rassismus, Sexismus, Gewalt gegen Schwächere, haben unsere Kultur geprägt. Endlich sind wir dafür sensibel geworden. Wird auch mal Zeit.

    Kinderbuchverlage haben angekündigt, anstößige Worte in Büchern durch weniger anstößige zu ersetzen. Aus dem „Negerkönig“ in „Pippi Langstrumpf“ wird ein „Südseekönig“ und auch an die „kleine Hexe“ von Otfried Preussler soll Hand gelegt werden. Gut, dass wir endlich drüber reden. Vor einiger Zeit haben wir bei einer Familienfeier zu Ehren der hochbetagten Jubilarin ihre Lieblings-Volkslieder gesungen. Als die alte Dame und mit ihr die ganze Runde begeistert „Lustig ist das Zigeunerleben“ schmetterte, verging mir der Spaß. Mir wurde bewusst, wie tief rassistische Klischees in unser Kulturgut eingewoben sind. Auch das „Heidenröslein“ mag ich nicht, weil es meiner Meinung nach die Geschichte einer Vergewaltigung erzählt. Rassismus, Sexismus, Gewalt gegen Schwächere, haben unsere Kultur geprägt. Endlich sind wir dafür sensibel geworden. Wird auch Zeit. Trotzdem bin ich dagegen, aus Kinderbüchern anstößige, weil politisch unkorrekte Worte zu tilgen. Warum? Weil meiner Ansicht nach damit unsere Geschichte glatt gebügelt würde. Und überhaupt: Wenn schon, müsste „Pippi“ auch umbenannt werden: Der Name der kleinen Anarchistin erinnert klanglich an „Püppi“ (von Puppe) oder an „Pippi machen“ – wenn das nicht diskriminierend ist. Das Zitat: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …“, lautet im Original: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen“ und stammt von Schiller.
  • Beamtendeutsch

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 09.01.2013 in Gutes Deutsch · 2 Kommentare

    Durch die Entdeckung eines biologisch-floralen Vegetationselementes der Gattung Rosacea des Farbbereiches rot auf einem mit spärlicher Spontanvegetation und ohne raumübergreifendes Großgrün bestücktem Landschaftsbereich wurde ein Minderjähriger männlichen Geschlechtes zur Beschleunigung seiner fußmäßigen Fortbewegungsweise veranlasst und nach Inaugenscheinnahme desselben, aufgrund einer, die amtlicherseits festgelegten Grenzwerte überschreitenden spontanen Gefühlsäußerung registriert.

    Dieses Kleinod habe ich kürzlich als Übung für eines meiner Seminare erstellt. Wer herausbekommt, welchen Text (1. Strophe) ich hier verballhornt habe, dem spendiere ich ein Bienchen. Durch die Entdeckung eines biologisch-floralen Vegetationselementes der Gattung Rosacea des Farbbereiches rot auf einem mit spärlicher Spontanvegetation und ohne raumübergreifendes Großgrün bestücktem Landschaftsbereich wurde ein Minderjähriger männlichen Geschlechtes zur Beschleunigung seiner fußmäßigen Fortbewegungsweise veranlasst und nach Inaugenscheinnahme desselben, aufgrund einer, die amtlicherseits festgelegten Grenzwerte überschreitenden spontanen Gefühlsäußerung registriert. Unter Rücksichtnahme auf das jugendliche Alter des noch nicht strafberechtigten Missetäters wurde auf weitere Strafverfolgungsmaßnahmen zunächst verzichtet, das Delikt jedoch in Beabsichtigung einer Erziehungsmaßnahme durch den Medienschaffenden G. der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht. (Zusatz: Wie an anderer Stelle gesagt: ich mag das Gedicht nicht. Aber zum Verballhornen reicht's.)
  • Zitate autorisieren?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 06.11.2012 in Politisches

    Zwischen der Spiegel-Journalistin Merlind Theile und der Piratin Marina Weisband ist eine Auseinandersetzung entbrannt über ein Gespräch, dessen Autorisierung und den Artikel dazu. Die Grenze zwischen der notwendigen sprachlichen Bearbeitung und einer interpretierenden Wiedergabe ist oft schwer zu fassen.

    Zwischen der Spiegel-Journalistin Merlind Theile und der Piratin Marina Weisband ist eine Auseinandersetzung entbrannt über ein Gespräch, dessen Autorisierung und den Artikel dazu. Marina Weisband antwortet in ihrem Blog. Klar ist: Journalisten müssen sprachlich bearbeiten, raffen, zusammenfassen. Eine 1:1-Abbildung des Gesagten würde niemand lesen wollen. Eine Verfälschung ist das nicht. Doch lauern dabei einige Fallen. Journalisten sind auch bloß Menschen und bei jeder Kommunikation kann es zu Missverständnissen kommen. Und ja, manchmal beeinträchtigen Vorurteile die Wahrnehmung. Deshalb ist es im deutschen Gwalledähds-Schurnalissmuss üblich, dass Interviews autorisiert werden - allerdings ist laut Presserat eine Autorisierung "aus presseethischer Sicht nicht zwingend erforderlich". Auch wörtliche Zitate können auf Verlangen abgeglichen werden, nicht aber indirekte. Ethische Grundlagen wie z.B. die journalistische Sorgfaltspflicht regelt der Pressekodex des Presserates. Marina Weisband kann sich beim Presserat beschweren, der den Fall prüfen und gegebenenfalls eine Rüge aussprechen würde - die allerdings keine rechtliche Relevanz hätte. Zudem könnte sie eine Richtigstellung einfordern, die der Spiegel an vergleichbar prominenter Stelle platzieren müsste, und zwar unabhängig davon, ob die Richtigstellung berechtigt ist oder nicht. Pech für die Journalistin, dass sie das Ok für die Zitate nur telefonisch bekommen hat. Ich persönlich glaube ihr das. So etwas ist vielleicht unprofessionell, aber durchaus üblich, zumal wenn der Redaktionsschluss drückt. Und natürlich gibt es dafür keinen Beweis, denn Telefonate dürfen ohne vorherige Zustimmung nicht aufgenommen werden. Erlaubt ist allerdings, das Gespräch laut zu stellen und Zeugen mithören zu lassen. Meine persönliche Meinung: Politik-Neulinge sind manchmal unsicher beim Umgang mit der Presse und fallen schnell in einen Das-hab-ich-so-nicht-gesagt-Reflex. Hab ich oft genug erlebt. Einen Beweis dafür, was sie wirklich gesagt hat, kann die Piratenfrau ebensowenig vorweisen wie die Journalistin. Einerseits. Andererseits ist die Grenze zwischen der notwendigen sprachlichen Bearbeitung (inklusive Raffen oder Zusammenfassen von Äußerungen) und der Interpretation, also dem Hinbiegen auf die persönliche Meinung des/der Autor/in schwer zu fassen. Und der Spiegel arbeitet für meinen Geschmack oft genug nicht sauber, trennt mir zu wenig zwischen Meinung und Fakten.
  • Nazis bei der Bundeswehr

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.10.2012 in Fundstücke

    Nicht unbedingt neu - zumindest für unsereins - ist die Tatsache, dass Neonazis sich in militärischen Strukturen wohl fühlen wie Ratten im Plumpsklo. Eine Übersicht über aktuelle Erkenntnisse dazu bietet das Bundeswehr-Monitoring der Arbeitsstelle für Frieden und Abrüstung.
  • Rechts blind

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.10.2012 in Fundstücke

    Mit der Rolle der Medien und der Voreingenommenheit von Journalisten beschäftigt sich der Journalist Christian Fuchs selbstkritisch in seinem Blog.
  • Revolution Internet

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 26.09.2012 in Fundstücke

    Stefan Niggemeier dokumentiert in seinem Blog eine Rede von Wolfgang Blau zum Urheber- und Leistungsschutzrecht, die er auf einer Urheberrechts-Fachtagung von Bündnis90/Die Grünen gehalten hat. Darin beschreibt der Chefredakteur von Zeit online Parallelen zu Erfindungen wie dem Buchdruck, der Eisenbahn oder der Elektrizität.
  • Leistungsschutzrecht auf dem Weg

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 30.08.2012 in Fundstücke

    Das Leistungsschutzrecht ist gestern auf den Weg gebracht worden und muss nun noch den Bundesrat passieren. Der Gesetzentwurf, mit dem die Verlage auch ein Stück vom Internet-Kuchen kassieren wollen, ist heftig umstritten. Die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht  bietet Paroli.
  • Putins Albtraum

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 02.08.2012 in Fundstücke

    Jung, gebildet, feministisch: Nach den Aktionen des Pussy Riot-Kollektivs bewegt sich was in Russland. Nicht zuletzt haben die jungen Frauen den Feminismus in Russland befördert, meint der Freitag.
  • Text des "Punk-Gebetes" von Pussy Riot:

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 01.08.2012 in Gefunden

    Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!

    Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!
    Vertreibe Putin, vertreibe Putin!

    Schwarzer Priesterrock, goldene Schulterklappen -
    Alle Pfarrkinder kriechen zur Verbeugung
    Das Gespenst der Freiheit im Himmel
    Homosexuelle werden in Ketten nach Sibirien geschickt.

    Der KGB-Chef ist euer oberster Heiliger,
    Er steckt die Demonstranten ins Gefängnis.
    Um den Heiligsten nicht zu betrüben
    Müssen Frauen gebären und lieben.

    Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!
    Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!

    Mutter Gottes, du Jungfrau, werde Feministin,
    Werde Feministin, werde Feministin!

    Kirchlicher Lobgesang für die verfaulten Führer -
    Kreuzzug aus schwarzen Limousinen.
    In die Schule kommt der Pfarrer,
    Geh zum Unterricht - bring ihm Geld.

    Der Patriarch glaubt an Putin.
    Besser sollte er, der Hund, an Gott glauben.
    Der Gürtel der Seligen Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen -
    Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns!

    Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!
    Vertreibe Putin, vertreibe Putin!

    (Quelle: Stern)
    Und? Ist das vielleicht blasphemisch?

  • Sätze unserer Kindheit,

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.07.2012 in Fundstücke

    die es so nicht mehr gibt, kann man gerade auf Twitter loswerden. Mein Kindheitssatz lautet: Nach dem Tele-Lotto ab ins Bett!
  • Das geplante Leistungsschutzrecht ...

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 19.06.2012 in Fundstücke

    ... mit Form und Folgen hat Stefan Niggemeier in (auf?) seinem Blog erklärt. Wenn alles so kommt, wie manche Leute es wollen, muss das Poesiebüro das Zitieren von interessanten online-Beiträgen einstellen. Aber wir sind ja optimistisch.
  • Kaputt gehört verboten!

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 29.05.2012 in Gefunden

    Kaputt gehört verboten!, Bild: Anke Engelmann
    Kaputt gehört verboten!, Bild: Anke Engelmann

    Dieses Schild aus der Kategorie "gehört verboten" fand ich in Arnstadt. Darauf steht: "Der Eingang wird seit dem 01.11. kameraüberwacht! Die Stufen sind Privateigentum! Bei Beschädigung oder absichtlicher Zerstörung wird Anzeige erstattet. Eigentümer"

  • So lebt sich's vom Schreiben ...

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 03.05.2012 in Fundstücke

    ... nämlich mehr schlecht als recht, berichtet der Schriftsteller Bernd Cailloux. Reden zu schreiben könnte sich schon mehr auszahlen - vorausgesetzt, man hat gute Kunden.

  • Welttag des Buches

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 23.04.2012 in Fundstücke

    heute, am 23. April.

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