Poesieblog

  • A.C.A.B.

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 08.03.2013 in Politisches

    Ich rege mich jedesmal auf, wenn wieder ein Depp irgendwo sein A.C.A.B. hinterlassen hat. Erstens kann ich es nicht leiden, wenn eine ganze Personengruppe pauschal abgewertet wird. Und außerdem ist das Wort „Bastard“ konservativ und frauenfeindlich – beschimpft werden nicht die Polizisten selbst, sondern ihre Mütter.

    all cops are bastards, kurz A.C.A.B. ist eine von diesen kryptischen Jugendsubkulturen-Geheimcodes, die gesprayt an Häuserwänden stehen und Eingeweihte zu einem: „Ah, einer von uns war hier“ einlädt. Allerdings kann man dessen nie sicher sein: Das Akronym wird von allen möglichen Gruppen benutzt: Rocker, Punks, rechts, links ... Die Markenrechte an dem Begriff hält übrigens die Klamottenfirma Troublemaker, die vor allem bei Neonazis und Rockern beliebt ist.

    Das Wort „Bastard“ ist konservativ und frauenfeindlich – beschimpft werden nicht die Polizisten selbst, sondern ihre Mütter. Ein Bastard ist nämlich ein illegitimes Kind, das nicht aus einer ehelichen Beziehung stammt. Anders gesagt: Der Vater ist nicht der Ehemann der Mutter und die demzufolge von zweifelhafter Moral. Sowas wie: Deine Mutter war eine Hure. Also ich schlage da einen anderen Geheimcode vor, zum Beispiel: Some Taggers Are Stupid (S.T.A.S.) (manche Sprayer sind doof). Nix für ungut.

  • Schade, Herr Paczulla!

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 07.03.2013 in Gefunden

    Eigentlich würde ich an dieser Stelle einen Link zu einem Artikel in der (7.3.2013) Thüringer Allgemeinen setzen. Aber weil ich als Poesiebüro auch ein gewerblicher Anbieter bin und wir das neue Leistungsschutzrecht haben, trau ich mich nicht.

    Mir hat ein Artikel ausnehmend gut gefallen (und das kommt in der TA eher selten vor, abgesehen von den Kolumnen von Henryk Goldberg). Diesmal jedoch hat Volkhard Paczulla eine köstliche und völlig un-TA-typische Glosse veröffentlicht. Aber weil ich als Poesiebüro auch ein gewerblicher Anbieter bin und wir das neue Leistungsschutzrecht haben, trau ich mich nicht.

    Nachtrag: Das ist natürlich Blödsinn. Auch nach dem LSR darf weiter verlinkt werden.

  • Arbeits- oder erwerbslos?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 04.03.2013 in Politisches, Sprachpolitik

    Die nationale Armutskonferenz hat eine Liste mit sozialen Unwörtern gesammelt, also Begriffen, die diskriminierend sind oder diskriminierende Untertöne haben. Übertriebene Sprachkritik kann ich dabei nicht entdecken – ebensowenig wie Alexander Lasch in seinem interessanten Blog.

  • Gesetz zum Leistungsschutzrecht verabschiedet

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 01.03.2013 in Schreiben

    ist es also doch passiert: Der Bundestag hat heute das umstrittene Gesetz zum Leistungsschutzrecht verabschiedet. Damit wollen Verlage ein Stückchen vom Google-Kuchen: Künftig sollen gewerbliche Anbieter wie Suchmaschinen (oder das Poesiebüro) zahlen, wenn sie Auszüge von Artikeln (Snippets) zitieren.

    Text der Gesetzesvorlage

  • Pressefreiheit adé

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.02.2013 in Fundstücke

    Die Formulierungen klingen harmlos, aber sie haben es in sich. Mit seinem aktuellen Urteil hat das Bundesverfassungsgericht die Auskunftspflicht der Behörden und damit die Pressefreiheit beschnitten, meint der DJV-Vorsitzende Michael Konken im ND-Interview.
  • Schüttelreime …

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.02.2013 in Schreiben

    Die Lebenslaster eines Lastenhebers sind Leberhasten und des Lebens Laster. Das Leben hasst er und voll Hast erlebt er's.

    ... sind geschüttelte Reime. Wie dieser hier (Eigenproduktion): Die Lebenslaster eines Lastenhebers sind Leberhasten und des Lebens Laster. Das Leben hasst er und voll Hast erlebt er's.
  • Vereinfacht? Verfälscht?

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 18.02.2013 in Fundstücke

    Einen Einblick in die Arbeitsweise von Journalisten gibt der Beitrag von Sebastian Heiser im tazblog. Journalisten müssen vereinfachen und zusammenfassen. Die hohe Kunst besteht darin, dabei nicht zu werten oder Inhalte zu verfälschen.
  • Server von mediafon lahmgelegt

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 12.02.2013 in Schreiben

    Leider hat sich der kriminelle Teil der selbsternannten Netzgemeinde entschlossen, den Server zu attackieren, auf dem auch mediafon läuft. Information und solidarische Beratung sind offensichtlich etwas, das diese "Kämpfer für ein freies Netz" nicht unter Freiheit verstehen.

    Folgende Mail habe ich heute bekommen und gebe sie hier unverändert wieder. Ein Kommentar erübrigt sich. Liebe Kollegin, lieber Kollege, leider hat sich der kriminelle Teil der selbsternannten Netzgemeinde entschlossen, den Server zu attackieren, auf dem auch mediafon läuft. Eigentliches Ziel des Angriffs war die Informationsplattform www.urheber.info, auf der viele Urheber-Verbände Informationen für die Diskussion rund um das Thema Urheberrechte zur Verfügung stell(en). Information und solidarische Beratung sind aber offensichtlich etwas, das diese "Kämpfer für ein freies Netz" nicht unter Freiheit verstehen. Die - mit Verlaub - Arschlöcher, die statt mit Argumenten mit brachialer Gewalt ihr Recht auf Eure Kosten (als UrheberInnen) erkämpfen wollen und sich (in diesem Fall) hinter dem Namen Anonymus Deutschland verstecken, sind also Schuld daran, dass es die nächsten Tage ein wenig mit der Erreichbarkeit von mediafon haken wird - so lange, bis alle Namensserver die IP-Adresse des neue Servers wissen, auf dem mediafon nun läuft. Wir nehmen an - und so hat der ganze Ärger vielleicht auch was Gutes -, dass dies für Euch Anlass sein wird, in Diskussionen, Web-Foren und Wahlentscheidungen genauer hinzuschauen, wer Eure Interessen tatsächlich vertritt und entsprechend Stellung zu beziehen. Mit dem vorgeblichen Kampf gegen eine "Content-Mafia" hat es nämlich nichts zu tun, wenn nun jene Verbände und Gruppen attackiert werden, die Argumente nennen, warum und wie es Medien- und Kulturschaffenden möglich bleiben soll, von ihrer Arbeit auch leben zu können. - Das vermeintliche Ideal, sich fremde Werke kostenlos aneignen zu können, wird den Kreativen kaum die notwendigen angemessenen Honorare und Tantiemen herbeischaffen, die sie zum Überleben brauchen. Euer mediafon-Team
  • Die Passiv-Dame

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 11.02.2013 in Gutes Deutsch

    Wie ich (fast) lernte, den (das?) Passiv zu mögen.

    Dialog mit der Kassenfrau gestern (10. Februar) im Museum Erfurt: "Müssen wir für den Vortrag Eintritt bezahlen?" "Eintritt wird bezahlt werden." "Ach, der Eintritt ist frei?" "Der Eintritt wird VON IHNEN bezahlt werden."
  • Übergriff auf Übergriff

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 07.02.2013 in Gender

    Brüderle! Imponiergehabe! Hat ihn eine junge Journalistin frech gefragt, wie das denn ist, in "seinem Alter" noch einmal für ein Amt vorgeschlagen zu werden. Hat er reagiert, wie er es gelernt hat – übergriffig. Alte Schule, sozusagen. Derber Oktoberfest-Humor. Höhöhö!

    Allerdings finde ich die Frage der Journalistin auch übergriffig, weil altersdiskriminierend. Journalist/innen sollen schon gezielt provozieren. Aber nicht unnötig. Und nicht beleidigen oder verletzen. Dass die Debatte über sexuelle Übergriffe aus dieser Geschichte heraus aufgeflammt ist, hat weniger mit FDP oder der Person Brüderles zu tun. Vielmehr mit der kulturellen Erfahrung von Frauen und Mädchen, die prägend ist für unsere Gesellschaft. Doch ich finde, man darf nicht vergessen: Machtgehabe wird zwar oft, aber nicht nur sexualisiert. Macht und die damit einhergehende Entmündigung erleben auch andere gesellschaftliche Gruppen: Kinder z.B., Empfänger von Sozialleistungen, Asylsuchende, kranke Menschen – und Alte. Siehe oben.

  • Zeitung ohne Journalisten

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 04.02.2013 in Fundstücke

    Die WAZ macht die Westfälische Allgemeine dicht. Übrig bleibt nur eine leere Hülle, ein Zombie. Füllen sollen das Blatt künftig die Meldungen der Konkurrenz. Hintergründe auf dem Blog von Stefan Niggemeier sowie beim Journalistenverband, vor allem über die Proteste am 2. Februar 2013.

  • Walter Schilling ist tot

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 30.01.2013 in Politisches

    Vieles und Viele hat er bewegt.

    Er war irgendwie immer da. Ein echter Seelsorger. Am 29. Januar 2013 ist Walter Schilling im Alter von fast 83 Jahren gestorben. Vieles und Viele hat er als Pfarrer in Thüringen und DDR-weit angestoßen und bewegt. Auf sein Wirken geht das Prinzip der Offenen Arbeit und der Kirche von Unten zurück. Damit hat er maßgeblich dafür gesorgt, dass sich in der DDR „unter dem Dach der Kirche“, wie es immer heißt, eine Opposition entwickeln, vernetzen und halten konnte. Die „Offene Zeit“ alljährlich im Rüstzeitheim Braunsdorf hat uns alle geprägt, Langhaarige und Punks. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 2. Februar 2013, in der Kirche in Braunsdorf statt.

    Nachtrag: Hier ein Video über Walter von Kaktus (danke Jörg für den Hinweis!)

  • Sexismus

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 29.01.2013 in Fundstücke

    Brüderle! Diese betuliche, schleimige Alte-Männer-Tour! Endlich reden wir drüber! Im Internet diskutieren Frauen heftig - das zeigt, wie groß der Bedarf ist. Ich empfehle zum Thema den Blog Alltagssexismus von Anne Wizorek.

  • Amtsdeutsch 2: Versackt und gebeutelt

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 23.01.2013 in Gutes Deutsch

    Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt sondern versackt werden.

    Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt sondern versackt werden. ... Sollte sich bei der Inhaltsfeststellung eines Wertsackes herausstellen, dass ein in einem Wertsack versackter Versackbeutel statt im Wertsack in einem der im Wertsack versackten Wertbeutel hätte versackt werden müssen, so ist die in Frage kommende Versackstelle unverzüglich zu benachrichtigen. ... Quelle: Kilian, Michael: Literatur und Jurisprudenz – Anmerkungen zum Berufsbild des Juristen, in: Deutsche Richterzeitung (DRiZ) 1985, 18 Gefunden: www.gregor-jonas.de/witze/wertsack.htm am 21.1.2013 Von Claudia - vielen Dank! Nachtrag: Der Verfasser des Artikels ist mitnichten die Deutsche Bundespost, sondern vielmehr der Autor Wolf Wondratschek. Der Text steht in seinem ersten Buch: Früher begann der Tag mit einer Schusswunde (1969)
  • Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …

    veröffentlicht von Anke Engelmann am 22.01.2013 in Gutes Deutsch

    Rassismus, Sexismus, Gewalt gegen Schwächere, haben unsere Kultur geprägt. Endlich sind wir dafür sensibel geworden. Wird auch mal Zeit.

    Kinderbuchverlage haben angekündigt, anstößige Worte in Büchern durch weniger anstößige zu ersetzen. Aus dem „Negerkönig“ in „Pippi Langstrumpf“ wird ein „Südseekönig“ und auch an die „kleine Hexe“ von Otfried Preussler soll Hand gelegt werden. Gut, dass wir endlich drüber reden. Vor einiger Zeit haben wir bei einer Familienfeier zu Ehren der hochbetagten Jubilarin ihre Lieblings-Volkslieder gesungen. Als die alte Dame und mit ihr die ganze Runde begeistert „Lustig ist das Zigeunerleben“ schmetterte, verging mir der Spaß. Mir wurde bewusst, wie tief rassistische Klischees in unser Kulturgut eingewoben sind. Auch das „Heidenröslein“ mag ich nicht, weil es meiner Meinung nach die Geschichte einer Vergewaltigung erzählt. Rassismus, Sexismus, Gewalt gegen Schwächere, haben unsere Kultur geprägt. Endlich sind wir dafür sensibel geworden. Wird auch Zeit. Trotzdem bin ich dagegen, aus Kinderbüchern anstößige, weil politisch unkorrekte Worte zu tilgen. Warum? Weil meiner Ansicht nach damit unsere Geschichte glatt gebügelt würde. Und überhaupt: Wenn schon, müsste „Pippi“ auch umbenannt werden: Der Name der kleinen Anarchistin erinnert klanglich an „Püppi“ (von Puppe) oder an „Pippi machen“ – wenn das nicht diskriminierend ist. Das Zitat: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …“, lautet im Original: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen“ und stammt von Schiller.

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